Gartenbaumuseum

Der Kresseanbau

„Zukunft lebendiger Traditionen“ ist das Motto des diesjährigen Internationalen Museumstages, zu dem am Sonntag, 19. Mai, vom Deutschen Gartenbaumuseum eingeladen wird. Diese letzte bewirtschafte Kresseklinge Erfurts ist das Ziel, zu dem Sibylle Küttner M.A., Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, ab 15.00 Uhr führt. „Die Brunnenkresse war für mich eine schmackhafte Entdeckung, deshalb war es mir wichtig mich diesem Thema zu widmen“ sagte die neue Museumskuratorin, die erst seit einem halben Jahr in Erfurt lebt.
Ausgangspunkt des ca. 2,5 stündigen Spazierganges ist das Sybillentürmchen am egapark-Eingang am Gothaer Platz. Der Weg führt über die Cyriaksburg als Sitz des Museums bis hin zu dem historischen Dreienbrunnengebiet. Auf dem Weg erfahren die Teilnehmer alles rund um den Anbau des vitaminreichen Wintergemüses und Interessantes über andere Zweige des Erfurter Erwerbsgartenbaus. Was es mit einem Patschbrett oder Gießschüssel auf Sicht hat, kann man bei einem Blick in die Dauerausstellung des Gartenbaumuseums entdecken. Unterwegs wird den Fragen nachgegangen, seit wann es den Iris-Garten im egapark und den Botanisch-Dendrologischen Garten gibt und welche besondere Bedeutung diese beiden Gärten haben. Auf ihre Kosten kommen dabei sicher nicht nur Gartenliebhaber, sondern auch Personen, die ein allgemeines Interesse an Erfurt und seiner Geschichte haben.
Die Teilnahmegebühr beträgt 3,00 €. Die Teilnehmer sollten gut zu Fuß sein. Um Anmeldung unter 0361/22399-0 wird gebeten.

 

Schon im 17. Jahrhundert wurde der Brunnenkressanbau in der Gärtner- und Blumenstadt Erfurt gewerblich betrieben. Später rationalisierte und verfeinerte der Gartenbauingenieur Christian Reichart (Erfurt 1684–1775) die Anbaumethoden und entwickelte das „Klingen“-System. Im zwischen Erfurt und Hochheim gelegenen Dreibrunnengebiet entstanden lange, schmale Wasserbecken, die Kresseklingen. Das saubere und stets 11°C warme Wasser der Quellen zwischen Steigerwald und Cyriaksburg bot beste Voraussetzung für das Gedeihen der Kresse. Seinen wirtschaftlichen Höhepunkt erlebte der Erfurter Kresseanbau in den 1930er Jahren. Die Kresse wurde nach Berlin, Hamburg und sogar an das Britische Königshaus geliefert. Noch bis in die 1970er Jahre wurden von den 1960 gegründeten Gärtnerischen Produktionsgenossenschaften Kresse angebaut. Aufgrund geringerer Wasserzufuhr lohnte sich der Arbeitsintensive Anbau immer weniger, so dass nach 1977 die meisten Becken aufgegeben, mit Bauschutt verfüllt und in Bau- bzw. Gartenland umgewandelt wurden. Übrig blieben einige wenige Klingen, von denen nur noch eine, die von Familie Fischer bis heute mühevoll bewirtschaftet wird.

Treffpunkt: Sibyllentürmchen, egapark Eingang am Gothaer Platz